Schmerz – Definition des Unvermittelbaren!

Schmerz ist ein Thema, dass uns alle auf die eine oder andere Weise betrifft. Außerdem ist Schmerz ist ein „weites Feld“. Und ich habe das zweifelhafte Vergnügen, ihn bereits als Kind in einen Umfang zu spüren zu bekommen, dass manch ein Erwachsener an einem Bruchteil davon zugrunde gegangen wäre.

Ich habe überlebt. Ich bin eine Überlebende.

Darum habe ich mich zu einer kleinen Blogartikel-Reihe rund um das Thema Schmerz entschlossen. Für die eine oder den anderen sind meine Erfahrungen und Überlegungen vielleicht hilfreich.

Hier kommt nun der erste Artikel, in dem es sich um die Definition von Schmerz dreht.

Benötigte Zeit: 5 Minuten.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist körperlicher Schmerz?

    Eine allgemeine Einordnung des Begriffs.

  2. Wie wird Schmerz in der Medizin eingestuft?

    Eine Beschreibung der Vorgehensweise in Praxis und Krankenhaus.

  3. Wie die Methode verbessert werden kann.

    Erläuterung, warum eine Verbesserung erforderlich ist und wie sie vorgenommen werden kann.

  4. Mein eigener Bezugsrahmen in Sachen körperlicher Schmerz.

    Ein paar Gedanken zum allgemeinen Umgang mit Schmerz früher zu jetzt, gefolgt von einer Tabelle (mit einigen persönlichen Beispielen meines eigenen Bezugsrahmens im Bereich körperliche Schmerzen).

  5. Mach Dich durch Einordnung verständlicher!

    Nur Psychopathen und Soziopathen empfinden nicht mit.

  6. Lesevorschläge

    Warum seelischer Schmerz schlimmer ist, als körperlicher. Tipps zum Umgang mit Schmerz.

Schmerz lass nach, von Carmen Splitt
Schmerz lass nach!

Ich betone, dass es sich bei dem, was Du jetzt liest, um meine eigenen Sichtweisen und persönlichen Erfahrungswerte handelt. Ich bin weder Medizinerin, noch Theologin, noch Psychiaterin. Und ob das, was mir geholfen hat/ hilft, auch für Dich gut ist, kann ich nicht beurteilen. Im Falle eines Falles riskiere es lieber einmal öfter umsonst in die Praxis/ ins Pfarrbüro zu gehen, als einmal zu wenig, denn es könnte vielleicht helfen!

Jeder Mensch empfindet Schmerz anders. Und jeder Mensch legt für sich andere Dinge fest, die ihr oder ihm Schmerz verursachen. Dies gilt für körperliche Schmerzen. Insbesondere gilt dies jedoch auch für nicht-körperliche Schmerzen. Wie kannst Du also Schmerz erklären? Vor allem jedoch, wie kannst Du einem anderen Menschen verständlich machen, wie stark der Schmerz ist, den Du empfindest?

Beginnen wir mit der einfachen Variante, dem körperlichen Schmerz.

Was ist körperlicher Schmerz?

Körperlicher Schmerz ist eine Reaktion auf äußere Reize oder/ und mechanische oder biochemische Ausnahmesituationen in denen der Körper sich befindet. Schnitte, Prellungen, Brüche, Muskelfaserrisse, Entzündungsprozesse, hormonelle Schwankungen, … – die Palette an Schmerzursachen ist wahrlich groß. So wie es die Bandbreite dessen ist, was wir an Schmerzen ertragen können.

Wie wird Schmerz in der Medizin eingestuft?

Ärztinnen, Ärzte und sonstige medizinische Fachkräfte fragen ihre Patienten und Patientinnen nach ihrem individuellen Schmerzempfinden und fordern sie auf, eine Einordnung des Schmerzes auf einer Skala von 1 bis 10 vorzunehmen. Die 1 steht dabei für geringste Schmerzen und die 10 für die schlimmsten Schmerzen, die je gespürt wurden. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch er ist meiner Meinung nach nicht ausreichend.

Wie die Methode verbessert werden kann.

Aufgrund dieser Einordnung kann die Intensität des Schmerzes nicht besonders gut eingeschätzt werden. Die daraus resultierende Gabe von Schmerzmitteln fällt oft zu hoch oder zu niedrig aus – je nachdem, welcher „Schmerztyp“ die Patientin/ der Patient ist.

Es gibt Menschen, die einen umgeknickten Fingernagel mit einer 9 gleichsetzen und es gibt andere, deren Finger nur noch an einer Sehne hängt und die dies mit einer 2 bedenken. Die Schmerzempfindlichkeit der Menschen ist nun einmal unterschiedlich. Aus diesem Grund halte ich es für sinnvoll, wenn ein Bezugsrahmen ergänzt wird, in der Form, dass die Patientinnen und Patienten Beispiele nennen, in welchen Situationen sie zuvor vergleichbar starke Schmerzen hatten.

Auch dann kommt es zu Ungenauigkeiten. Einige werden untertreiben, andere übertreiben. Und ihre ZuhörerInnen werden das Gehörte mit ihren eigenen Erfahrungen vermischen. Dennoch, ein solcher Bezugsrahmen ist aus meiner Sicht sinnvoll und notwendig.

Mein eigener Bezugsrahmen in Sachen körperlicher Schmerz

Ich bin Jahrgang 1973. Meine Generation ist nicht im Glaskasten aufgewachsen. Wenn ich als Kind zum Beispiel gestürzt bin und mir die Knie und Hände und Ellenbogen aufgeschlagen hatte, habe ich nicht greinend in der Gegend rumgestanden.

Ich bin nach Hause gegangen, Oma hat die Wunden großzügig mit Arnikatinktur gespült, hat mir weiterhin viel Spaß gewünscht und dann ging es wieder raus und ich habe weitergespielt.

Wenn sich heutzutage ein Kind das Knie aufschlägt, wird das hingegen als großes dramatisches Ereignis in Szene gesetzt. Mir tun solche „wattierten“ Kinder leid. Ihnen entgehen wichtige Erfahrungen. Doch das ist ein anderes Thema. Zurück zum Schmerz.

Hier kommen einige wenige Beispiele dazu, wie mein persönlicher Bezugsrahmen in Sachen körperlicher Schmerz so aussieht:

körperlicher Schmerz

Oma als 4jährige gefragt, ob die Herdplatte heiß ist und es mit dem rechten Zeigefinger getestet, bevor sie antworten konnte. Mein verbrannter Zeigefinger war im Anschluss eine einzige weiße verschrumpelte Blase, die ein paar Wochen weh tat, auch noch lange, nachdem ich die Haut abziehen konnte.

Skala-Einstufung 1 bis 10

Eine 3
Aua. Aber der Schreck war größer.
War mir halt eine Lehre.


Als 7jährige mit Schwung die schwere Schiebetür zugedonnert und vergessen, dass meine linke Hand im Weg war. Die gequetschte und aufgeplatzte Hand hat geblutet wie Sau und ich habe gut vier Wochen gemerkt, wie oft ich als Rechtshänderin auch mit der linken Hand unbewusst Oberflächen berühre.

Eine 3
Der Ärger über meine eigene Blödheit war größer. Und meine Narben erinnern mich daran, wie wertvoll die linke Hand auch für Rechtshänder ist.


Als 8jährige mit Feuerquallen beworfen worden. Mein Gesicht, mein Oberkörper, mein Rücken, meine Arme und Beine – alles war verbrannt. Danach hat sich mein freundschaftliches Verhältnis zum Verursacher merklich abgekühlt.

Eine 8
Mein Körper bestand gut drei Tage nur aus Feuer und Schmerz. Mir ging es dreckig. Oma hat Tag und Nacht bei mir gewacht und mir beigestanden. Ich mag Quallen. Aber nicht auf mir.


Als 13jährige beim Wandern mit einer Freundin im Gebirge eine Abkürzung genommen und mir an einem Stacheldrahtzaun den linken Oberschenkel aufgerissen. Die 3 1/2 Stunden Rückweg waren unschön. Das Verbandsmaterial hielt nicht, dafür aber die Schmeißfliegen, die bei jedem zweiten Schritt wieder auf der Wunde landeten und ich nicht vertreiben konnte.

Eine 1
Der Adrenalinschub und meine Konzentration auf das Wesentliche (Schmerz ausblenden und runter vom Berg) waren hilfreich.


Nach der Zahnwurzelbehandlung Anfang Juli 2006  stand eine Woche später fest, dass doch noch eine Zahnwurzelresektion erfolgen musste.
Die entsprechende Laser-OP begann, bevor die Betäubung wirkte. (Das stellte übrigens einen Rückschritt dar, hinsichtlich der Bekämpfung meiner Befürchtungen, die auf ähnlich unangenehmen Erlebnissen bei Zahnarztbesuchen beruhen.)

Von 5 über 8 und 3 bis 4
Eine 5 für die Wartezeit,
bis die Zahnwurzelbehandlung durchgeführt werden konnte.
Eine 8 bei der Zahnwurzelresektion für das zerschneiden meiner Mundhöhle mit einem Laser, bevor die Betäubung wirkte.
Eine 3 für die Heilungsschmerzen im Mundbereich.
Eine 4 für die durch die Antibiotika verursachte  Magenschleimhautentzündung.


Treppensturz Anfang Dezember 2016. Prellungen, Zerrungen, Nervenquetschungen, kaputtes Gleichgewichtsorgan im Innenohr, kaputte Gewebeschichten am linken Oberschenkel, verdrehte Hüfte, verschobener Atlas, mehrfach verschoben-verdrehte Wirbelsäule zwischen Atlas und Hüfte. Unerträgliche Schmerzen. Getoppt von noch unerträglicheren Schwindelanfällen, in Verbund mit extremer Übelkeit.
Ich kämpfe nachwievor mit den Folgen des Sturzes.

Von 4 über 7, 10, 5-6 bis zu 1-2
Eine 4 in der ersten halben Stunde nach dem Sturz.
Eine 7 in den ersten 2 Tagen nach dem Sturz. Dann Steigerung bis zu einer glatten 10 während der schlimmsten Phase.
Abflachung auf 5 bis 6 in den Folgemonaten.
Inzwischen (Ende Oktober 2018) runter auf nur noch 1 bis 2.
Mit dem Level komme ich im Alltag klar.

Mach Dich durch Einordnung verständlicher!

Das war ein kleiner Ausschnitt aus meinen persönlichen körperlichen Schmerzerlebnissen und wie ich sie einordne.

Schmerz - Definition des Unvermittelbaren, von Carmen Splitt
Das tut so weh!!!

Durch die Einordnung kann ich einer zuhörenden Person verdeutlichen, als wie schmerzend ich etwas empfinde.

Das funktioniert deshalb, weil ich ihr neben der Grundinformation noch begleitende Informationen, meinen eigenen Bezugsrahmen, mitteile.

Ich sage also „auf einer Skala von 1 bis 10 ist das eine 3“  und gebe mindestens zwei Beispiele aus der Vergangenheit für vorherige Schmerzerlebnisse, um der zuhörenden Person so einen besseren Zugang zu meiner Schmerzerfahrung zu ermöglichen.

Wenn die zuhörende Person nicht ausgerechnete ein Psychopath oder Soziopath ist, wird sie sich in mein Schmerzempfinden einigermaßen hineinversetzen können.

Beim seelischen Schmerz ist es ähnlich. Und doch ist alles ganz anders …

Lesevorschläge:

Schmerz ist ein vielseitiges Thema. in meinen weiteren Blogartikeln dazu geht es um folgende Aspekte:

Welche (Schmerz)Themen interessieren Dich noch? Hinterlasse gerne Deine Fragen als Kommentar!

Carmen Splitt

Mein Name ist Carmen Splitt. Ich bin Social Media Coach, Bloggerin und Kreuzspinnerin. Als Querdenkerin, Wissensvermittlerin und Verknüpferin zeige ich Dir Brücken, wo andere nur unvereinbare Gegensätze sehen. Ich bin streitbare Lutheranerin, überzeugte Teetrinkerin und faszinierte Trekkie. Meine Kundinnen und Kunden lernen unter anderem von mir: "Hindernisse sind dazu da, um überwunden zu werden!" und "Dumme Fragen sind jene, die nicht gestellt werden!".

2 Antworten

  1. 31. Oktober 2018

    […] Schmerz – Definition des Unvermittelbaren […]

  2. 5. November 2018

    […] Thema Schmerz beschäftigt Dich? Dann schau Dir gerne noch weitere Beiträge der Artikelreihe an: „Schmerz – Definition des Unvermittelbaren“ oder „Warum seelischer Schmerz schlimmer ist, als […]

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