Blickwinkel auf den Tod

Es gibt verschiedene Blickwinkel auf den Tod. Nicht nur Deinen. Nicht nur meinen. Es gibt große Unterschiede. Und doch gibt es immer auch Gemeinsamkeiten. Sie sind lediglich unterschiedlich stark ausgeprägt.

Welche Blickwinkel auf den Tod können von Menschen eingenommen werden?

Menschen können auf ihren eigenen Tod oder den Tod anderer sachlich oder emotional blicken. In der Regel trifft beides zugleich zu, dabei von Mensch zu Mensch eben mit unterschiedlich ausgeprägtem Maße. Eine Versachlichung des Todes ist in manchen Bereichen innerhalb einer Gesellschaft zwingend erforderlich, um die gesellschaftliche Ordnung zu erhalten. Ich denke hier zum Beispiel an die Kriminalpolizei und die Gerichtsmedizin.

Gleichzeitig ist die Versachlichung des Todes, die emotionale Distanz zu ihm, eine immense Gefahr für eine gesellschaftliche Ordnung, ja für die Zivilisation an sich.

Hier seien explizit zwei Beispiele allein aus der jüngeren deutschen Geschichte genannt.

  1. Während der Teilung Deutschlands in zwei Staaten, kam es immer wieder zu Grenzzwischenfällen. Auf Menschen, die aus der DDR in die BRD zu fliehen versuchten, wurde geschossen. Wie jeder weiß, wurde den Grenzbeamten vermittelt, dass der Tod von Menschen eine „Notwendigkeit“ sei, um den DDR-Staat zu erhalten. Bedauerlicherweise mit Erfolg. Die mit der Tötung eines Menschen normalerweise verbundenen Emotionen, wie Entsetzen und Widerwillen zu töten, mussten hierfür vorab bei den Grenzbeamten „abtrainiert“ werden.
  2. Noch grausamere Resultate der Versachlichung des Todes brachte die Herrschaft der Nationalsozialisten hervor. Die Massenermordung von Menschen wurde zu einem „gesetzlich geregelten Gesellschaftsziel“. Sowohl die direkten Täterinnen und Täter, als auch diejenigen, die an der Ermordung durch „Zuarbeit“  und/ oder durch „wegschauende Akzeptanz“ zu mitwirkenden Mittäterinnen und Mittätern wurden, haben hierfür die natürlicherweise vorhandenen Emotionen in Zusammenhang mit dem Tod eines Menschen unterdrückt. Nicht einmal. Nicht tausendfach. Sie taten es in Millionen Fällen. Die Versachlichung des Todes, die emotionale Distanz zu ihm, ist in der Tat eine Bedrohung für die Menschheit, denn sie ist eine Ausschaltung der eigenen Menschlichkeit!

Das bringt uns direkt zu einer der bedeutendsten Fragen

Was macht den Menschen zum Menschen, Carmen Splitt
Was macht einen Mensch zum Menschen? Was macht Menschlichkeit aus?

Was macht einen Mensch zum Menschen?
Was macht Menschlichkeit aus?

Ein Teil der Antwort besteht für mich aus sechs Aspekten:

  1. das Wissen um die eigene Sterblichkeit
  2. die Fähigkeit über die Bedürfnisse der eigenen Generation hinaus zu planen
  3. der Kompetenz, das Leid eines anderen mitzuempfinden, auch wenn der leidende Mensch keine Bedeutung für den Erhalt unserer eigenen biologischen und/ oder sozialen Gruppe hat
  4. dem Mut, sich für einen anderen bewusst zu opfern
  5. dem Wunsch, sowohl dem eigenen Tod, als auch dem Tod anderer eine Bedeutung zuzumessen
  6. die Auseinandersetzung mit dem Sinn des Lebens und dem Tod in religiöser, philosophischer und künstlerischer Ausdrucksform
Es gibt dabei so viele Blickwinkel auf den Tod, wie auf Gott.
Denn es gibt so viele Blickwinkel, wie es Menschen gibt.

Dennoch gibt es einige grundsätzliche Ausgangspunkte von denen aus Du Deine ganz persönliche Entdeckungsreise starten kannst.

  • Der Tod in der Kultur (mündliche Überlieferungen, Literatur, Malerei, Musik, Bildhauerei,…)
  • Der Tod als geschichtliches Ereignis (Pest, Schlachten, Attentate, Waffen, Tabus und Ehrencodici,…)
  • Der Tod als Wirtschaftsfaktor (Wer verdient an meinem Tod?, Was geschieht mit meinen Besitztümern?, Was geschieht mit meinen Daten?, …)
  • Der Tod in Ethik und Philosophie (künstliche Verlängerung des Todes, Überleben um jeden Preis, Selbstmord und Hilfe zur Selbsttötung,…)
  • Der Tod in der Religion (Welche Religion hat welchen Standpunkt zum Tod und zu einem Leben nach dem Tode?, Welchen Einfluss hat dieses Bild auf den Umgang mit Verstorbenen?, …)
Es gibt verschiedene Blickwinkel auf den Tod, Carmen Splitt
Mein Tipp: Beginne mit Deiner Spurensuche in der eigenen Kultur. Was wird Kindern erzählt?

Mein Tipp: Beginne mit Deiner Spurensuche in der eigenen Kultur. Was wird Kindern erzählt?

Welche Märchen, Mythen und Legenden gibt es zum Beispiel? Aber auch: Was wird in den Medien berichten und mit welchem inhaltlichen Schwerpunkt wird es gedeutet? Wenn Du die Sicht auf den Tod und den Umgang mit ihm in Deiner eigenen Kultur erkundet hast, dann nimm Dir andere Kulturen vor. Dann hast Du Vergleichsmöglichkeiten.

Natürlich gibt es auch einen Artikel zum Tod auf Wikipedia, der bekannten Wissensplattform. Hier werden weitere Blickwinkel auf den Tod aufgezeigt, zum Beispiel aus medizinischer Sicht.

Einen Einstieg zum Thema „Tod in den Weltreligionen“ gibt Dir der Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume. Er informiert unter anderem als Mitblogger bei den SciLogs.de und wurde am 13. März 2018 zum Antisemitismusbeauftragten des Landes Baden-Württemberg berufen. Mehr über seine Arbeit erfährst Du auf seiner Website.

Du siehst, es gibt vieles zum Thema Tod, worüber Du nachdenken kannst. Tu es und finde Deinen eigenen Blickwinkel! Und bitte sei so gut und hinterlasse mir einen Kommentar.
Mich interessiert, zu welchen Schlüssen Du gekommen bist!

Carmen Splitt alias CSKreuzspinnerin

Mein Name ist Carmen Splitt und die drei wichtigsten Dinge in meinem Leben sind meine Seele, mein Glauben und meine Freiheit, die sich unter anderem in meiner Selbständigkeit ausdrückt. Ich bin Social Media-Coach, Bloggerin, Kreuzspinnerin und in den unendlichen Weiten des Internets unterwegs. Ich bin überzeugte Lutheranerin, begeisterte Teetrinkerin, faszinierte Trekki, echte Querdenkerin und noch eine ganze Menge andere Dinge. Kurz, ich bin ein komplexer und vielschichtiger Mensch und schreibe in meinem ganz eigenen Stil.

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